Editorial

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Acht Frauen – und eine Leiche


Acht Frauen – und eine Leiche


Die gutbürgerliche Fassade trügt: Mit «Acht Frauen» führte das Abschlusstheater des Gymnasiums, der WMS und der FMS Thun eine mörderisch-bissige Kriminalkomödie auf.

 

Text Erich Binggeli und Samuel Linder

Fotos Michael Meier

 

Für ein Bühnenstück aus den 1950er-Jahren hat Robert Thomas’ «Huit Femmes» in den letzten beiden Jahrzehnten eine erstaunliche Karriere hingelegt. Schuld daran war zunächst der Film von François Ozon (2002), der die bissige Kriminalkomödie entstaubte, mit den grössten weiblichen Stars des damaligen frankofonen Kinos besetzte und in sinnlich-knalliger Fassung auf die Leinwand brachte.

Die bonbonfarbige Ästhetik und musicalartigen Einlagen des Films prägten auch viele künftige Inszenierungen und eröffneten dem Stück gleichzeitig neue Ansätze. So besetzte die Inszenierung des Münsinger Casinotheaters (2016) erfolgreich alle acht Frauen mit Männern und konnte somit gleich zwei Saisons lang durchstarten.

Aber auch der Theatertext selber hat seine Qualitäten: Die Grundsituation – acht Frauen, eingeschneit in einer Villa, machen eine grauenvolle Entdeckung – erinnert stark an Agatha Christies Klassiker «Die Mausefalle». Und der Krimi rund um bitterböse Rivalitäten, dunkle Geheimnisse und handfeste Überraschungen bietet ein mörderisch-besinnliches Ratespiel, dem man sich kaum zu entziehen vermag. Denn eigentlich könnte jede der acht Damen eine Mörderin sein …

Die Theatergruppe des Gymnasiums, der Wirtschaftsmittelschule und der Fachmittelschule Thun hat bei der Umsetzung einen eigenständigen Weg eingeschlagen: weniger knallbunter Musical-Klamauk, dafür mehr stilsichere, scharfzüngige Krimispannung. Im Zentrum steht ebenfalls die Genderfrage: Die gemischte Besetzung (drei Männer, fünf Frauen) eröffnet nämlich erstaunliche Einblicke in Geschlechterrollen und -normen fernab von Travestie und Drag Queens. Wichtig ist dabei die ganzheitliche Verkörperung von (acht) Menschen.

Ergänzt, untermalt und kommentiert wird das Ganze mit acht französischen Chansons (eines pro Frau), dargeboten live mit Sängerin und Band. Sam Linder und Marie-Anne Kiener (Regie) sowie Christa Gerber (Arrangeurin und Band-Coach) haben ein Jahr lang mit ihren Ensembles mit eben so viel Engagement wie Spass an Drive, Timing, Intensität und Nuancen gefeilt.

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Acht Frauen – und eine Leiche


Die gutbürgerliche Fassade trügt: Mit «Acht Frauen» führte das Abschlusstheater des Gymnasiums, der WMS und der FMS Thun eine mörderisch-bissige Kriminalkomödie auf.

 

Text Erich Binggeli und Samuel Linder

Fotos Michael Meier

 

Für ein Bühnenstück aus den 1950er-Jahren hat Robert Thomas’ «Huit Femmes» in den letzten beiden Jahrzehnten eine erstaunliche Karriere hingelegt. Schuld daran war zunächst der Film von François Ozon (2002), der die bissige Kriminalkomödie entstaubte, mit den grössten weiblichen Stars des damaligen frankofonen Kinos besetzte und in sinnlich-knalliger Fassung auf die Leinwand brachte.

Die bonbonfarbige Ästhetik und musicalartigen Einlagen des Films prägten auch viele künftige Inszenierungen und eröffneten dem Stück gleichzeitig neue Ansätze. So besetzte die Inszenierung des Münsinger Casinotheaters (2016) erfolgreich alle acht Frauen mit Männern und konnte somit gleich zwei Saisons lang durchstarten.

Aber auch der Theatertext selber hat seine Qualitäten: Die Grundsituation – acht Frauen, eingeschneit in einer Villa, machen eine grauenvolle Entdeckung – erinnert stark an Agatha Christies Klassiker «Die Mausefalle». Und der Krimi rund um bitterböse Rivalitäten, dunkle Geheimnisse und handfeste Überraschungen bietet ein mörderisch-besinnliches Ratespiel, dem man sich kaum zu entziehen vermag. Denn eigentlich könnte jede der acht Damen eine Mörderin sein …

Die Theatergruppe des Gymnasiums, der Wirtschaftsmittelschule und der Fachmittelschule Thun hat bei der Umsetzung einen eigenständigen Weg eingeschlagen: weniger knallbunter Musical-Klamauk, dafür mehr stilsichere, scharfzüngige Krimispannung. Im Zentrum steht ebenfalls die Genderfrage: Die gemischte Besetzung (drei Männer, fünf Frauen) eröffnet nämlich erstaunliche Einblicke in Geschlechterrollen und -normen fernab von Travestie und Drag Queens. Wichtig ist dabei die ganzheitliche Verkörperung von (acht) Menschen.

Ergänzt, untermalt und kommentiert wird das Ganze mit acht französischen Chansons (eines pro Frau), dargeboten live mit Sängerin und Band. Sam Linder und Marie-Anne Kiener (Regie) sowie Christa Gerber (Arrangeurin und Band-Coach) haben ein Jahr lang mit ihren Ensembles mit eben so viel Engagement wie Spass an Drive, Timing, Intensität und Nuancen gefeilt.

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