Editorial

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Digital ist alles anders


Digital ist alles anders


«Jugend debattiert» bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich gründlich mit unterschiedlichsten gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und sich in der Kunst der Debatte zu üben.  

 

Text Mathias Kundert

Fotos YES!

 

Jugendliche lernen ein Thema umfassend zu recherchieren, die Komplexität und die verschiedenen Aspekte der Fragestellung zu erkennen sowie eine überzeugende Debatte vorzubereiten. In der Debatte gilt es, die zugeloste Position – Pro oder Kontra – gekonnt zu vertreten, sich auf die Gegenseite einzulassen und gut zuzuhören, Argumente klar und geschickt einzubringen und im Gesamtauftritt zu überzeugen. Zum zweiten Mal argumentierten am 14. Februar 2020 Schüler des Gymnasiums Thun am Regionalfinale von «Jugend debattiert» für sich und ihre Schule um die Wette. Anriel Kiener (21gA) verpasste knapp die Finalrunde. Jannis Freitag (21gE) und Jonas Beer (21gA) sicherten sich zwei der begehrten Berner Meisterplätze, die zugleich zur Teilnahme an der nationalen Ausscheidung qualifizieren. Am nationalen Finale war aber in diesem Jahr aufgrund der Pandemie alles etwas anders.

 

Lieber Jannis, Sie sind ja bereits das zweite Mal zu «Jugend debattiert» angetreten. Und das sehr erfolgreich: herzliche Gratulation zum Meistertitel. Letztes Jahr hat es noch nicht ganz für die Finalrunde und das nationale Finale gereicht. Was hat Sie dazu bewogen, nochmals zum Regionalfinale anzutreten?

 

Jannis: Letztes Jahr war ich gar nicht zufrieden mit meinem Auftritt. Ich war viel zu zurückhaltend und war dementsprechend kaum in die Debatte eingebunden. Dieses Jahr wollte ich mir selbst beweisen, dass ich es besser kann.

 

Warum hat das Ihrer Meinung nach so gut geklappt?

 

Jannis: Ich war viel selbstbewusster als im vorherigen Jahr, konnte aktiv mitdebattieren und somit dann auch mein Bestes zeigen und mein Wissen und meine Argumente einbringen.

 

Lieber Jonas, Sie haben dieses Jahr Ihren letztjährigen Berner Meistertitel verteidigt. Was mich interessiert: Inwiefern hat sich die Erfahrung des Regionalfinals von der Erstteilnahme unterschieden?

 

Jonas: Ich habe mich beim zweiten Regionalfinal persönlich wohler gefühlt, kannte den Ablauf und fühlte mich aus diesem Grund auch sicherer. Ich glaube, dass ich die Sache entspannter angehen konnte, da ich bereits besser wusste, wie ich mich auf eine Debatte vorbereiten muss und worauf geachtet wird.

 

Wenn Sie den regionalen und nationalen Wettbewerb vergleichen – gibt es Unterschiede?

 

Jannis: Die Sachkenntnis war sowohl in Bern als auch national gross. Ich hatte aber das Gefühl, dass die Teilnehmer im nationalen Final vor allem rhetorisch gewandter waren als im Regionalfinal. Einen regionalen Unterschied konnte ich jedoch nicht feststellen.

 

Jonas, bei Ihrem zweiten, nationalen Final war alles ganz anders: digital statt analog. Via Microsoft Teams statt gemeinsam in einem Raum. Könnten Sie kurz schildern, wie Sie die beiden Veranstaltungen im Vergleich erlebten?

 

Jonas: Ja, digital war alles anders. Man hatte keinen direkten Kontakt zu den anderen Teilnehmenden und auch die Juroren waren in weiter Ferne – quasi unerreichbar. Auch das Debattieren stellte sich teilweise als eine Herausforderung dar, da durch die Zeitverzögerung teilweise zwei, drei Personen gleichzeitig mit Sprechen begannen. An der digitalen Version fehlte mir ein wenig der Austausch mit den anderen Debattierenden und spezifische Details, die für mich das Debattieren ausmachen: zum Beispiel die Gestik. Es war eigenartig, in eine Kamera hinein zu debattieren. Trotzdem war es ein tolles Ereignis und ich konnte viele Erfahrungen sammeln.

 

 

Jannis, Sie haben das digitale Debattieren in allen Tücken erlebt. Kurz nach Beginn der zweiten Debatte ist bei Ihnen die Kamera ausgefallen. Können Sie uns kurz berichten, wie es ist, unter diesen besonderen Bedingungen zu debattieren?

 

Jannis: Es macht die Kommunikation in der Debatte deutlich komplizierter, wenn man seine Mitstreiter nur digital erlebt –insbesondere die Absprache innerhalb des Teams. Wie Jonas bereits sagte, fingen deutlich häufiger zwei Personen gleichzeitig an zu reden. Als während meiner zweiten Debatte auch noch die Kamera ausfiel, machte es das für mich natürlich noch schwieriger, mich in die Debatte einzubringen.

 

 

Wenn Sie zurück denken an all die Debatten dieses Jahr, welches Argument, welches Beispiel, welches Bild ist Ihnen am meisten geblieben und wieso?

 

Jannis:  Mir wird vermutlich keine einzelne Szene in Erinnerung bleiben, sondern vielmehr die Atmosphäre der Debatte, über die wir gerade gesprochen haben: Denn obwohl meine Kamera ausfiel und obwohl man also nur meine Stimme hören konnte,  fühlte ich mich – auch dank meinen Mitdebattierenden – stets in die konstruktive Debatte miteingebunden.

 

Jonas: Das beeindruckendste Bild habe ich in der Debatte zur Konzernverantwortungsinitiative gehört: Eine Mutter hatte einen achtjährigen Sohn, der aufgrund von Wasserverschmutzung krank wurde und Augenkrebs bekam. Er musste fortan ein Glasauge tragen. Da jedoch seine Mutter kein Geld für weitere Behandlungen mehr hatte, blieb der Junge trotz Glasauge krank. Ich finde es immer wieder krass, wie man mit solchen Beispielen mitfühlt und sich den Jungen bildlich vor Augen hat. Gerade das, finde ich, macht dieses Bild enorm stark. Ein starkes Bild ist wichtig für ein Argument, denn an gerade dieses Bild und Beispiel erinnert man sich auch nach der Debatte noch und verknüpft es mit dem Argument. Gerade das ist ein Ziel des Debattierens, Statements zu platzieren, die den Zuschauern bleiben.

 

Sie gehörten zur ersten Generation von «Jugend debattiert», alles war noch ganz neu und überschaubar. Nun hat das Gymnasium Thun «Jugend debattiert» fest ins Schulprogramm mit aufgenommen. Angedacht sind Ausbildungsmöglichkeiten und Debatten, quer durchs Jahr verteilt: von der Ethik-Woche über das Café Philo bis zum Generationenfestival. Was denken Sie über diese Entwicklung?

 

Jonas: Ich finde das eine sehr tolle Ergänzung. Ich persönlich stehe fest hinter diesem Programm, weil ich das Privileg hatte, dieses selbst zu durchleben. Ich konnte bei mehr Erfahrungen bezüglich Auftreten, Argumentieren und Diskutieren sammeln, als dies in einem Fach je möglich gewesen wäre. Das hilft mir für mein weiteres Leben. Zudem habe ich durch das Debattieren ein grosses Interesse an der Politik entwickelt und es hat mir geholfen, eine eigene Meinung zu bilden.

 

Herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Interview genommen haben.

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«Jugend debattiert» bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich gründlich mit unterschiedlichsten gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und sich in der Kunst der Debatte zu üben.  

 

Text Mathias Kundert

Fotos YES!

 

Jugendliche lernen ein Thema umfassend zu recherchieren, die Komplexität und die verschiedenen Aspekte der Fragestellung zu erkennen sowie eine überzeugende Debatte vorzubereiten. In der Debatte gilt es, die zugeloste Position – Pro oder Kontra – gekonnt zu vertreten, sich auf die Gegenseite einzulassen und gut zuzuhören, Argumente klar und geschickt einzubringen und im Gesamtauftritt zu überzeugen. Zum zweiten Mal argumentierten am 14. Februar 2020 Schüler des Gymnasiums Thun am Regionalfinale von «Jugend debattiert» für sich und ihre Schule um die Wette. Anriel Kiener (21gA) verpasste knapp die Finalrunde. Jannis Freitag (21gE) und Jonas Beer (21gA) sicherten sich zwei der begehrten Berner Meisterplätze, die zugleich zur Teilnahme an der nationalen Ausscheidung qualifizieren. Am nationalen Finale war aber in diesem Jahr aufgrund der Pandemie alles etwas anders.

 

Lieber Jannis, Sie sind ja bereits das zweite Mal zu «Jugend debattiert» angetreten. Und das sehr erfolgreich: herzliche Gratulation zum Meistertitel. Letztes Jahr hat es noch nicht ganz für die Finalrunde und das nationale Finale gereicht. Was hat Sie dazu bewogen, nochmals zum Regionalfinale anzutreten?

 

Jannis: Letztes Jahr war ich gar nicht zufrieden mit meinem Auftritt. Ich war viel zu zurückhaltend und war dementsprechend kaum in die Debatte eingebunden. Dieses Jahr wollte ich mir selbst beweisen, dass ich es besser kann.

 

Warum hat das Ihrer Meinung nach so gut geklappt?

 

Jannis: Ich war viel selbstbewusster als im vorherigen Jahr, konnte aktiv mitdebattieren und somit dann auch mein Bestes zeigen und mein Wissen und meine Argumente einbringen.

 

Lieber Jonas, Sie haben dieses Jahr Ihren letztjährigen Berner Meistertitel verteidigt. Was mich interessiert: Inwiefern hat sich die Erfahrung des Regionalfinals von der Erstteilnahme unterschieden?

 

Jonas: Ich habe mich beim zweiten Regionalfinal persönlich wohler gefühlt, kannte den Ablauf und fühlte mich aus diesem Grund auch sicherer. Ich glaube, dass ich die Sache entspannter angehen konnte, da ich bereits besser wusste, wie ich mich auf eine Debatte vorbereiten muss und worauf geachtet wird.

 

Wenn Sie den regionalen und nationalen Wettbewerb vergleichen – gibt es Unterschiede?

 

Jannis: Die Sachkenntnis war sowohl in Bern als auch national gross. Ich hatte aber das Gefühl, dass die Teilnehmer im nationalen Final vor allem rhetorisch gewandter waren als im Regionalfinal. Einen regionalen Unterschied konnte ich jedoch nicht feststellen.

 

Jonas, bei Ihrem zweiten, nationalen Final war alles ganz anders: digital statt analog. Via Microsoft Teams statt gemeinsam in einem Raum. Könnten Sie kurz schildern, wie Sie die beiden Veranstaltungen im Vergleich erlebten?

 

Jonas: Ja, digital war alles anders. Man hatte keinen direkten Kontakt zu den anderen Teilnehmenden und auch die Juroren waren in weiter Ferne – quasi unerreichbar. Auch das Debattieren stellte sich teilweise als eine Herausforderung dar, da durch die Zeitverzögerung teilweise zwei, drei Personen gleichzeitig mit Sprechen begannen. An der digitalen Version fehlte mir ein wenig der Austausch mit den anderen Debattierenden und spezifische Details, die für mich das Debattieren ausmachen: zum Beispiel die Gestik. Es war eigenartig, in eine Kamera hinein zu debattieren. Trotzdem war es ein tolles Ereignis und ich konnte viele Erfahrungen sammeln.

 

 

Jannis, Sie haben das digitale Debattieren in allen Tücken erlebt. Kurz nach Beginn der zweiten Debatte ist bei Ihnen die Kamera ausgefallen. Können Sie uns kurz berichten, wie es ist, unter diesen besonderen Bedingungen zu debattieren?

 

Jannis: Es macht die Kommunikation in der Debatte deutlich komplizierter, wenn man seine Mitstreiter nur digital erlebt –insbesondere die Absprache innerhalb des Teams. Wie Jonas bereits sagte, fingen deutlich häufiger zwei Personen gleichzeitig an zu reden. Als während meiner zweiten Debatte auch noch die Kamera ausfiel, machte es das für mich natürlich noch schwieriger, mich in die Debatte einzubringen.

 

 

Wenn Sie zurück denken an all die Debatten dieses Jahr, welches Argument, welches Beispiel, welches Bild ist Ihnen am meisten geblieben und wieso?

 

Jannis:  Mir wird vermutlich keine einzelne Szene in Erinnerung bleiben, sondern vielmehr die Atmosphäre der Debatte, über die wir gerade gesprochen haben: Denn obwohl meine Kamera ausfiel und obwohl man also nur meine Stimme hören konnte,  fühlte ich mich – auch dank meinen Mitdebattierenden – stets in die konstruktive Debatte miteingebunden.

 

Jonas: Das beeindruckendste Bild habe ich in der Debatte zur Konzernverantwortungsinitiative gehört: Eine Mutter hatte einen achtjährigen Sohn, der aufgrund von Wasserverschmutzung krank wurde und Augenkrebs bekam. Er musste fortan ein Glasauge tragen. Da jedoch seine Mutter kein Geld für weitere Behandlungen mehr hatte, blieb der Junge trotz Glasauge krank. Ich finde es immer wieder krass, wie man mit solchen Beispielen mitfühlt und sich den Jungen bildlich vor Augen hat. Gerade das, finde ich, macht dieses Bild enorm stark. Ein starkes Bild ist wichtig für ein Argument, denn an gerade dieses Bild und Beispiel erinnert man sich auch nach der Debatte noch und verknüpft es mit dem Argument. Gerade das ist ein Ziel des Debattierens, Statements zu platzieren, die den Zuschauern bleiben.

 

Sie gehörten zur ersten Generation von «Jugend debattiert», alles war noch ganz neu und überschaubar. Nun hat das Gymnasium Thun «Jugend debattiert» fest ins Schulprogramm mit aufgenommen. Angedacht sind Ausbildungsmöglichkeiten und Debatten, quer durchs Jahr verteilt: von der Ethik-Woche über das Café Philo bis zum Generationenfestival. Was denken Sie über diese Entwicklung?

 

Jonas: Ich finde das eine sehr tolle Ergänzung. Ich persönlich stehe fest hinter diesem Programm, weil ich das Privileg hatte, dieses selbst zu durchleben. Ich konnte bei mehr Erfahrungen bezüglich Auftreten, Argumentieren und Diskutieren sammeln, als dies in einem Fach je möglich gewesen wäre. Das hilft mir für mein weiteres Leben. Zudem habe ich durch das Debattieren ein grosses Interesse an der Politik entwickelt und es hat mir geholfen, eine eigene Meinung zu bilden.

 

Herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Interview genommen haben.

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